Gruppenpsychotherapie

Ich biete in meiner Praxis Gruppenpsychotherapie für gesetzlich versicherte Erwachsene ab 18 Jahren an. Die Kleingruppen bestehen aus 6-9 Teilnehmenden. Gruppentherapie ist gleichwertig mit einer Einzelbehandlung, die Wirksamkeit konnte wissenschaftlich wiederholt unter Beweis gestellt werden.

Die Gruppentherapien finden i. d. R. zu einem festen Termin 1x wöchentlich für 100 Minuten statt, das entspricht dem doppelten Zeitkontingent gegenüber einer Einzeltherapiesitzung. Einzelsitzungen sind begleitend zu einer Gruppentherapie im Verhältnis 1/10 möglich.
Eine Gruppentherapie erfolgt meist im Rahmen einer längerfristigen Behandlung im Rahmen von Langzeittherapien mit 60-80 Sitzungen.
Eine Gruppe startet, sobald ausreichend Anmeldungen vorliegen. Voraussichtlich werden die Gruppen hauptsächlich in meinen regulären Praxiszeiten zwischen 8 Uhr und 13 Uhr stattfinden. Eventuell wird es auch 1-2 Nachmittagsgruppen geben. Wenn Sie eine Anfrage für eine Gruppentherapie stellen, tragen Sie deshalb in der Abfrage bitte alle möglichen Zeitfenster ein, in denen Sie Termine wahrnehmen können.

Meine Gruppentherapien sind als gemischte, zieloffene, halboffene Gruppen konzipiert: 

  • gemischt (störungsübergreifend):  Die Teilnehmenden einer Gruppe unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Beschwerden, ihrer individuellen Themen, ihrer Lebenssituation, ihrer persönlichen Hintergünde, ihres Geschlechts und ihres Alters . Diese Vielfalt ist ausdrücklich erwünscht.  Ich habe mich in meiner Praxis bewusst für die Durchführung gemischter Gruppen entschieden, da ich es als Vorteil sehe, wenn unterschiedliche Menschen verschiedene Erfahrungen, Perspektiven und Sichtweisen in die Gruppe einbringen. Dies kann dazu beitragen, sich selbst und andere besser zu verstehen, neue Sichtweisen zu entwickeln, im Kontext mit anderen Menschen und deren Vielfalt neue Erfahrungen zu sammeln und voeinander zu profitieren. 
  • zieloffen: Die Themen und Schwerpunkte der Gruppensitzungen richten sich nach den Bedürfnissen der jeweiligen Gruppe und nach den Themen, Fragen und Belastungen, die die Teilnehmenden einbringen. Folgende Elemente können z. B. eine Rolle spielen: Informationsvermittlung; verhaltenstherapeutische Modelle und Strategien zur Problembewältigung; Analyse konkreter Alltagssitutionen; Untersuchung von Gedanken, Gefühlen und Verhaltensweisen; Entwicklung alternativer Denk- und Handlungsmöglichkeiten; praktische Übungen; Rollenspiele; Training sozialer und emotionaler Kompetenzen; Strategien zur Emotionsregulation und zum Umgang mit belastenden Gefühlen; Arbeit an Achtsamkeit und Akzeptanz; Bearbeitung von Ängsten und Vermeidungsverhalten; Bespreschung von Alltagserfahrungen; Planung konkreter Übungen zwischen den Sitzungen. Es gibt kein festgelegtes Thema oder vorgegebenes Therapieziel. Als Therapeutin greife ich die Anliegen der Gruppe auf und unterstütze dabei, persönliche Zusammenhänge zu verstehen, neue Perspektiven zu entwickeln und Veränderungsmöglichkeiten zu erproben. Je nach Bedarf können dabei auch psychoedukative Inhalte, therapeutische Modelle oder konkrete Übungen eingebracht werden. So verbindet die zieloffene Gruppentherapie die individuelle therapeutische Arbeit mit den wertvollen Erfahrungen und Perspektiven der Gruppe. 
  • halboffen: Die Teilnehmenden beginnen und beenden die Therapie nicht alle gleichzeitig. Vielmehr richtet sich die Dauer der Gruppenteilnahme nach dem individuellen Therapiebedarf und neue Teilnehmende kommen hinzu, wenn Plätze in der Gruppe frei werden.

Bei einer Gruppenpsychotherapie handelt es sich um eine Heilbehandlung, das heißt, sie kommt zum Einsatz, wenn eine krankheitswertige psychische Störung vorliegt. Es wird zu Beginn eine Diagnose gestellt, an der sich dann die weitere Behandlung orientiert. Die Kosten für eine Gruppenpsychotherapie in meiner Praxis werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.


Was ist eine verhaltenstherapeutische Gruppentherapie?

Verhaltenstherapeutische Gruppentherapie ist eine wissenschaftlich anerkannte Form der Psychotherapie, bei der mehrere Menschen gemeinsam mit mir als Psychotherapeutin an ihren psychischen Beschwerden und persönlichen Schwierigkeiten arbeiten. Forschungsergebnisse zeigen für Gruppenpsychotherapie eine äquivalente Wirksamkeit gegenüber der Einzelpsychotherapie. 

Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass unser Denken, Fühlen und Handeln eng miteinander verbunden sind. Belastende Situationen können bestimmte Gedanken und Gefühle auslösen, die wiederum unser Verhalten beeinflussen. Manche Verhaltensweisen helfen kurzfristig dabei, mit schwierigen Situationen umzugehen, können langfristig jedoch dazu beitragen, dass Beschwerden bestehen bleiben.
In der Therapie geht es darum, solche Zusammenhänge besser zu verstehen und neue Möglichkeiten im Umgang mit belastenden Situationen zu entwickeln. Dabei werden nicht nur Gedanken und Gefühle betrachtet. Ein wichtiger Bestandteil ist auch, neue Verhaltensweisen praktisch auszuprobieren und die dabei gemachten Erfahrungen für den eigenen Alltag zu nutzen.
Eine Besonderheit der Gruppentherapie besteht darin, dass die therapeutische Arbeit nicht ausschließlich im Gespräch mit der Therapeutin stattfindet. Die anderen Teilnehmenden werden zu wichtigen Gesprächs-, Interaktions- und Übungspartnern. Dadurch können soziale Situationen unmittelbar erlebt, beobachtet und gemeinsam reflektiert werden.
Die Gruppe bietet einen geschützten Rahmen, in dem neue Erfahrungen möglich werden können. Eigene Verhaltensweisen lassen sich aus verschiedenen Perspektiven betrachten, Rückmeldungen können eingeholt und alternative Möglichkeiten des Umgangs mit anderen Menschen ausprobiert werden.

Eine Gruppentherapie kann grundsätzlich bei vielen psychischen Beschwerden eingesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise Depressionen, Ängste, Selbstwertprobleme, psychosomatische Beschwerden, soziale Unsicherheiten, Schwierigkeiten in Beziehungen oder Probleme bei der Bewältigung belastender Lebenssituationen.

Unser Denken und Verhalten entsteht nicht unabhängig von unserer Umgebung. Wir machen Erfahrungen mit anderen Menschen und entwickeln daraus Erwartungen darüber, wie Beziehungen funktionieren und wie wir selbst von anderen wahrgenommen werden. Diese Erfahrungen können hilfreich sein, manchmal führen sie jedoch auch zu ungünstigen Überzeugungen und Verhaltensmustern. Wer beispielsweise wiederholt erlebt hat, dass die eigene Meinung nicht ernst genommen wird, könnte irgendwann davon ausgehen, dass es besser ist, überhaupt nichts zu sagen. Wer häufig kritisiert wurde, entwickelt möglicherweise die Überzeugung, Fehler unbedingt vermeiden zu müssen. Und wer Angst vor Ablehnung hat, beginnt vielleicht, soziale Situationen möglichst zu vermeiden. Solche Muster können sich mit der Zeit verfestigen. In der Gruppentherapie können sie sichtbar werden, weil die Teilnehmenden miteinander in Kontakt treten. Dabei können Situationen entstehen, in denen alte Erwartungen aktiviert werden. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass diese Situationen im therapeutischen Rahmen gemeinsam betrachtet werden können. Man kann beispielsweise innehalten und fragen: 
Was ist gerade passiert? Was habe ich gedacht? Was habe ich gefühlt? Wie habe ich reagiert? Was habe ich vom anderen erwartet? Welche andere Reaktion wäre möglich gewesen? 
Auf diese Weise können alltägliche zwischenmenschliche Situationen zu wichtigen therapeutischen Lernmöglichkeiten werden. Die Gruppe ist damit gleichzeitig Behandlungsraum, Übungsfeld und Erfahrungsraum. Ziel ist es, neue Erfahrungen zu ermöglichen und diese Schritt für Schritt in den eigenen Alltag zu übertragen.

Eine erfolgreiche Gruppentherapie entsteht nicht allein durch die Arbeit der Therapeutin. Auch die eigene Mitarbeit spielt eine wichtige Rolle. Dabei müssen Sie keineswegs von Beginn an besonders offen oder aktiv sein. Viel wichtiger ist eine neugierige Haltung gegenüber dem eigenen Erleben. Versuchen Sie wahrzunehmen, was während der Gruppensitzung in Ihnen passiert:
Was denke ich gerade? Welche Gefühle entstehen? Fühle ich mich wohl oder angespannt? Möchte ich etwas sagen oder mich eher zurückziehen? Was erwarte ich von den anderen? Habe ich Angst vor einer bestimmten Reaktion? Wie interpretiere ich das Verhalten eines anderen Teilnehmers Erinnert mich die Situation an etwas, das ich aus meinem Alltag kenne?
Solche Beobachtungen können wichtige Hinweise liefern.
Sie müssen nicht sofort persönliche oder besonders schwierige Themen ansprechen. Gleichzeitig kann es hilfreich sein, sich im Laufe der Therapie zunehmend zu beteiligen und auch einmal Dinge auszuprobieren, die bisher schwergefallen sind. Das kann bereits damit beginnen, eine eigene Meinung zu äußern oder einem anderen Teilnehmenden zu sagen, wie dessen Aussage auf Sie gewirkt hat.
Therapie bedeutet nicht, dass für jedes Problem sofort eine perfekte Lösung gefunden werden muss. Oft ist der erste Schritt zunächst, ein Problem genauer zu verstehen:
Was genau passiert? Wann tritt es auf? Welche Gedanken und Gefühle spielen eine Rolle? Was tue ich normalerweise? Und welche Konsequenzen hat dieses Verhalten?
Erst wenn solche Zusammenhänge klarer werden, lässt sich überlegen, was verändert werden könnte.

Rückmeldungen können manchmal angenehm sein und manchmal auch irritieren. Beides kann therapeutisch wertvoll sein. Wenn andere Menschen etwas anders wahrnehmen als man selbst, bietet dies die Möglichkeit, die eigene Sichtweise zu überprüfen. Dabei geht es nicht darum, die Meinung anderer automatisch als richtig anzunehmen. Vielmehr können unterschiedliche Wahrnehmungen miteinander verglichen und gemeinsam eingeordnet werden.

Veränderung bedeutet häufig, etwas anders zu machen als bisher. Das kann zunächst ungewohnt sein und möglicherweise sogar Angst auslösen. Gerade deshalb ist die Gruppe ein geeigneter Ort, um neue Verhaltensweisen in kleinen Schritten auszuprobieren. Dabei gilt immer: Es geht nicht darum, sich zu überfordern. Die therapeutischen Übungen werden gemeinsam besprochen und an die individuelle Situation angepasst.
Es gibt Themen, über die es zunächst schwerfallen kann zu sprechen. Sie müssen sich zu nichts zwingen. Gleichzeitig kann es eine wichtige therapeutische Erfahrung sein, sich mit einer persönlichen Schwierigkeit zu zeigen und dabei zu erleben, dass andere Menschen verständnisvoll reagieren. Viele Menschen stellen im Verlauf einer Gruppentherapie fest, dass die Angst vor Bewertung oder Ablehnung größer war als die tatsächliche Reaktion der anderen. Solche Erfahrungen können helfen, alte Erwartungen zu überprüfen und neue Erfahrungen im Kontakt mit anderen Menschen zu machen.

Das Ziel: Veränderung, die im Alltag ankommt.
Die Gruppentherapie soll Ihnen nicht nur helfen, sich während der Sitzungen besser zu verstehen. Entscheidend ist, dass Sie die gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen zunehmend für Ihr eigenes Leben nutzen können. Vielleicht geht es darum, weniger zu vermeiden, selbstbewusster aufzutreten, besser mit Ängsten umzugehen, eigene Grenzen wahrzunehmen, Konflikte früher anzusprechen oder mit sich selbst weniger kritisch umzugehen. Die konkreten Ziele sind dabei so individuell wie die Menschen, die an einer Gruppentherapie teilnehmen. Die Gruppe kann dabei helfen, neue Möglichkeiten kennenzulernen, diese auszuprobieren und schließlich in den eigenen Alltag zu übertragen.
Veränderung beginnt häufig mit einer kleinen neuen Erfahrung – und viele solcher Erfahrungen können langfristig einen großen Unterschied machen.


Für wen kann eine Gruppentherapie sinnvoll sein?

Eine verhaltenstherapeutische Gruppentherapie kann für viele Menschen eine geeignete Behandlungsform darstellen. Ob eine Gruppentherapie im Einzelfall sinnvoll ist, wird gemeinsam im Rahmen individueller erster Gespräche geklärt.
Verständlicherweise haben manche Menschen zunächst Bedenken bei dem Gedanken, persönliche Schwierigkeiten mit mehreren anderen Menschen in einer Gruppe zu besprechen. Gerade die Sorge vor einer Gruppe kann jedoch bereits ein Thema sein, das therapeutisch bearbeitet werden kann.
Sie müssen deshalb weder besonders kontaktfreudig noch selbstbewusst sein, um an einer Gruppe teilnehmen zu können. Auch Menschen, die sich in sozialen Situationen eher zurückziehen, Angst vor Bewertung haben, Schwierigkeiten mit Abgrenzung erleben oder sich im Kontakt mit anderen häufig unsicher fühlen, können von einer Gruppentherapie profitieren.
Ein besonderer Vorteil besteht darin, dass soziale Schwierigkeiten nicht ausschließlich anhand vergangener Situationen besprochen werden müssen. Sie können teilweise genau dort beobachtet und bearbeitet werden, wo sie entstehen: im Kontakt mit anderen Menschen.
Beispielsweise kann gemeinsam untersucht werden, was passiert, wenn jemand Angst hat, etwas Falsches zu sagen. Welche Gedanken entstehen? Welche Gefühle treten auf? Was macht die Person dann? Zieht sie sich zurück, versucht sie besonders angepasst zu sein oder vermeidet sie den Kontakt? Und welche anderen Möglichkeiten könnte es geben? Auf diese Weise wird aus einer zunächst theoretischen Betrachtung eine konkrete therapeutische Erfahrung.
Für die Teilnahme an einer Gruppentherapie ist vor allem die Bereitschaft wichtig, sich mit den eigenen Schwierigkeiten auseinanderzusetzen und sich schrittweise auf neue Erfahrungen einzulassen. Dabei muss niemand von Anfang an alles erzählen oder sich besonders aktiv beteiligen.
Jeder Mensch bringt seine eigenen Voraussetzungen und sein eigenes Tempo mit.
In den vorbereitenden Einzelgesprächen können daher auch Unsicherheiten und Befürchtungen ausführlich besprochen werden. Gemeinsam wird entschieden, ob die Gruppentherapie zu den eigenen Bedürfnissen und Therapiezielen passt.
Jedoch ist Gruppentherapie nicht für jede Person und nicht zu jedem Zeitpunkt die passende Behandlungsform. Bei akuten psychischen Krisen, ausgeprägter Instabilität, akuter Selbst- oder Fremdgefährdung, schweren psychotischen Störungen oder akuten manischen Episoden, problematischem Substanzkonsum, starker Ich-Schwäche, Aggressivität, mangelnder Impulskontrolle, ausgeprägter Störung der Gruppenfähigkeit (z. B. bei starken dissozialen oder paranoiden Tendenzen), fehlender Motivation oder geringer Frustrationstoleranz kann zunächst eine intensivere oder individuelle einzeltherapeutische Behandlung sinnvoller sein. Ob eine Gruppentherapie geeignet ist, wird daher immer im persönlichen Vorgespräch gemeinsam geklärt.


Was kann eine Gruppentherapie besonders hilfreich machen?

  • In einer Gruppe kommen mehrere Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten, Persönlichkeiten und Erfahrungen zusammen. Genau diese Unterschiede können therapeutisch wertvoll sein. Die Teilnehmer können voneinander lernen, sich gegenseitig Rückmeldungen geben und erleben, dass bestimmte Schwierigkeiten nicht nur bei ihnen selbst auftreten. Darüber hinaus bietet die Gruppe etwas, das in einem Einzelsetting nur eingeschränkt möglich ist: Soziale Situationen können unmittelbar stattfinden und therapeutisch genutzt werden.
  • Viele therapeutische Inhalte lassen sich in der Gruppe direkt ausprobieren. Wenn beispielsweise jemand Schwierigkeiten hat, seine Meinung zu äußern, kann dies nicht nur besprochen werden. Es kann auch gemeinsam ausprobiert werden, wie es sich anfühlt, eine eigene Meinung zu vertreten und anschließend die Reaktionen der anderen wahrzunehmen. Auf diese Weise können neue Verhaltensweisen unmittelbar erprobt werden.
  • Menschen mit psychischen Beschwerden haben häufig bestimmte automatische Gedanken und Bewertungen entwickelt. Situationen wie „Die anderen schauen mich an.“ können beispielsweise Gedanken auslösen wie „Bestimmt finden sie mich komisch.“ oder „Ich darf keinen Fehler machen.“ Solche Gedanken können Angst, Scham oder Unsicherheit verstärken und wiederum dazu führen, dass man sich zurückzieht oder bestimmte Situationen vermeidet. In der Therapie können solche automatischen Bewertungen erkannt und überprüft werden. Dabei geht es nicht darum, zwanghaft positiv zu denken. Vielmehr soll eine realistischere und hilfreichere Sichtweise entwickelt werden.
  • Manchmal reagieren wir auf bestimmte Situationen immer wieder nach einem ähnlichen Muster. Wir vermeiden beispielsweise Konflikte, entschuldigen uns übermäßig häufig, stellen die Bedürfnisse anderer über unsere eigenen oder ziehen uns zurück, sobald wir uns kritisiert fühlen. In einer Gruppe können solche Muster besonders gut sichtbar werden, weil die entsprechenden Situationen teilweise auch innerhalb der Gruppe auftreten. Dadurch entsteht die Möglichkeit, innezuhalten und etwas Neues auszuprobieren.
  • Die Wahrnehmung anderer Menschen kann eine wertvolle Ergänzung zur eigenen Sichtweise sein. Vielleicht erleben wir uns selbst als unsicher, während andere uns viel selbstbewusster wahrnehmen. Oder wir bemerken nicht, dass wir uns in Gesprächen sehr stark zurückziehen. Rückmeldungen aus der Gruppe können solche Unterschiede sichtbar machen. Dabei geht es nicht um Bewertung. Die Rückmeldungen sollen vielmehr helfen, die eigene Wahrnehmung und die eigene Wirkung auf andere besser kennenzulernen.
  • Veränderungen entstehen nicht allein dadurch, dass man etwas intellektuell versteht. Oft ist es entscheidend, neue Erfahrungen tatsächlich zu machen. Wer beispielsweise gelernt hat, dass das Äußern eigener Bedürfnisse zwangsläufig zu Ablehnung führt, kann in der Gruppe erleben, dass eine offene Mitteilung auch Verständnis oder Unterstützung hervorrufen kann. Solche Erfahrungen können langfristig dazu beitragen, bisherige Erwartungen zu verändern.
  • Angst führt häufig dazu, dass bestimmte Situationen vermieden werden. Die Vermeidung kann kurzfristig Erleichterung bringen. Langfristig bleibt dadurch jedoch die Erfahrung aus, dass man die Situation möglicherweise bewältigen könnte. In der Verhaltenstherapie kann deshalb – wenn dies im individuellen Fall sinnvoll ist – mit schrittweisen Übungen gearbeitet werden. Dabei wird darauf geachtet, die jeweiligen Aufgaben an die persönliche Situation anzupassen und niemanden zu überfordern.
  • Menschen mit einem niedrigen Selbstwert sind häufig sehr kritisch mit sich selbst. Fehler werden stärker gewichtet als Erfolge, eigene Bedürfnisse oder Fähigkeiten werden möglicherweise unterschätzt. Die Gruppe kann einen Rahmen bieten, in dem neue Erfahrungen mit sich selbst und anderen möglich werden. Dazu gehört beispielsweise, die eigene Meinung zu äußern, eine Grenze zu setzen, eine Rückmeldung anzunehmen oder eine schwierige Situation auszuhalten. Mit der Zeit kann daraus die Erfahrung entstehen: „Ich kann schwierige Situationen bewältigen und etwas verändern.“
  • Die Gruppe eignet sich besonders dazu, zwischenmenschliche Fähigkeiten praktisch zu üben. Je nach individuellen Therapiezielen können beispielsweise folgende Themen bearbeitet werden: eigene Wünsche und Bedürfnisse äußern; Nein sagen und Grenzen setzen; Kritik annehmen; Kritik angemessen äußern; Konflikte ansprechen; Gefühle mitteilen; um Unterstützung bitten; Gespräche beginnen und aufrechterhalten; die eigene Meinung vertreten; mit Ablehnung oder Zurückweisung umgehen.
  • Viele Menschen erleben es als große Entlastung, wenn sie feststellen, dass andere ähnliche Gedanken, Gefühle oder Schwierigkeiten kennen. Dadurch kann sich das Gefühl verringern, mit den eigenen Problemen völlig allein oder „anders“ zu sein. Gleichzeitig ermöglicht die Gruppe, unterschiedliche Wege kennenzulernen, mit schwierigen Situationen umzugehen.
  • Ein wichtiges Ziel der Verhaltenstherapie besteht darin, die eigene Handlungsfähigkeit zu stärken. Therapie soll nicht nur dazu führen, dass Beschwerden kurzfristig abnehmen. Es geht auch darum, langfristig mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Die Erfahrung, selbst etwas ausprobieren, verändern und bewältigen zu können, ist dafür besonders wichtig.


Wie komme ich in eine Gruppentherapie?

Vor Beginn einer Gruppentherapie findet zunächst ein persönliches Kennenlernen statt.
Im Rahmen der psychotherapeutischen Sprechstunden und probatorischen Sitzungen geht es zunächst darum, Ihre aktuelle Situation und Ihre Beschwerden besser zu verstehen.
Dabei sprechen wir unter anderem über:

  • Ihre aktuellen Beschwerden
  • Ihre persönliche Lebenssituation
  • wichtige Erfahrungen und Belastungen
  • bisherige Behandlungen
  • Ihre persönlichen Therapieziele
  • mögliche aufrechterhaltende Faktoren
  • vorhandene Ressourcen und Stärken

In den Gesprächen können Sie außerdem alle Fragen stellen, die Sie zur Gruppentherapie haben.

Gemeinsam wird anschließend entschieden, welche Behandlung für Sie am sinnvollsten erscheint und ob die Teilnahme an einer Gruppe zu Ihren persönlichen Voraussetzungen und Therapiezielen passt. Im Idealfall nehmen Sie zwischen Sprechstundenterminen und probatorischen Sitzungen an einer Gruppe zur psychotherapeutischen Grundversorgung teil. Diese dient als eine Art „Schnuppergruppe“ zum Kennenlernen von Gruppentherapie, zur Prüfung, ob das Setting der verhaltenstherapeutischen Gruppe passend für Sie ist, zur Überbrückung von Wartezeiten auf einen regulären Gruppentherapieplatz und zum Erlernen erster verhaltenstherapeutischer Modelle, Methoden und Strategien zur Verbesserung Ihres Befindens. 

Unsicherheiten vor dem ersten Gruppentermin sind vollkommen normal. Viele Menschen fragen sich beispielsweise, ob sie sich vor anderen öffnen können, wie die anderen Teilnehmenden reagieren werden oder ob sie überhaupt etwas zu sagen haben. Diese Fragen können bereits im Vorfeld gemeinsam besprochen werden.


Rahmenbedingungen der Gruppentherapie

Damit eine therapeutische Gruppe funktionieren kann, braucht sie einen verlässlichen und geschützten Rahmen. Eine regelmäßige Teilnahme ist deshalb besonders wichtig. Jeder Teilnehmende ist Teil des gemeinsamen Prozesses. Häufig beeinflusst auch die Anwesenheit oder Abwesenheit einzelner Personen die Dynamik der gesamten Gruppe.
Ebenso wichtig sind Pünktlichkeit, gegenseitiger Respekt und ein verantwortungsvoller Umgang miteinander.
Ein zentraler Bestandteil ist selbstverständlich auch die Verschwiegenheit. Alles, was andere Teilnehmende über sich erzählen, bleibt innerhalb der Gruppe. Persönliche Informationen über andere Gruppenmitglieder dürfen nicht außerhalb der Gruppe weitergegeben werden. Diese Vereinbarung gilt auch nach Abschluss der eigenen Therapie.
Die konkreten organisatorischen und therapeutischen Rahmenbedingungen werden vor Beginn der Behandlung ausführlich besprochen. Dazu gehören beispielsweise Regelungen zur Teilnahme, zum Umgang mit Fehlzeiten, zur Verschwiegenheit, zu Krisensituationen sowie zu besonderen persönlichen Anliegen. Alle wichtigen Vereinbarungen werden in einem Gruppentherapievertrag festgehalten.